Bognergasse9, 1. Bezirk: Wien Innere Stadt

Zum weißen Engel (Apotheke) im 20. Jahrhundert

Am 22. November 1901 wurde durch einen Notariatsakt vom 10. April 1901 ein Eigentümerwechsel in das Anschreib- und Vormerkbuch der verkäuflichen Apothekengewerbe eingetragen. An die Stelle von Caroline Haubner, welche die Apotheke mit Kaufvertrag vom 31. Mai 1901 veräußerte, trat die am 1. Juni 1901 gebildete C. Haubner OHG, deren Gesellschafter drei Kinder der Caroline waren: der k. k. Major in Komorn Eduard Haubner, Eleonore Siebenrock Edle von Wallheim, die mit einem Landesgerichtsrat in Salzburg verheiratet war, und Hermine Siebenrock Edle von Wallheim, deren Gatte k. k. Finanzrat in Wien war. Der Normalpreis wurde mit 20.000 Kronen festgesetzt, als Prokurist Alfred Siebenrock Edler von Wallheim ins Handelsregister eingetragen. Da sämtliche Besitzer keine Pharmazeuten waren, wurde die Leitung Mag. pharm. Karl Klobautschnik übertragen.

Noch im selben Jahr wurde mit dem Abbruch des alten Apothekenhauses begonnen. Mit der Errichtung eines im Stil des Sezessionismus konzipierten Neubaus auf der schmalen, bis in die Naglergasse reichenden Parzelle, betrauten die Eigentümer die Architekten Oskar Laske und Viktor Fiala. Standort war Bognergasse9, Naglergasse 10.

Während der Bauzeit wurde, um den Betrieb nicht unterbrechen zu müssen, im Haus Goldschmiedgasse 10 ein Ausweichquartier bezogen. Das Portal der heutigen Apotheke, die seit 1902 im Neubau untergebracht ist, ist mit einem berühmten, von Laske im Jugendstil gestalteten Mosaik geschmückt, das, bezugnehmend auf den Schildnamen, einen Engel darstellt. Die Fassade gehört zu den dekorativsten Beispielen der Verwendung figuraler Jugendstilelemente bei der Fassadengestaltung von Wohn- und Geschäftshäusern in Wien und ist eines der seltenen Beispiele für die Inspiration einer künstlerischen Dekoration durch ein Apothekenschild.

Als Klobautschnik im Dezember 1906 die Leitung der Apotheke zurücklegte, folgten ihm Mag. pharm. Leonhard Pech und im Dezember 1908 Mag. pharm. Paul Senft. Am 20. Oktober 1914 übernahm Dr. phil. Mag. pharm. Alfred Siebenrock Edler von Wallheim, Sohn beziehungsweise Neffe der Besitzer, als Pächter die Apotheke. Er leitete sie bis 1920.

Zuvor am 5. Dezember 1919 kam es zu einer Veränderung: bei gleichzeitiger Löschung der Prokura für Alfred Siebenrock trat dieser als Gesellschafter ein, wobei sein Gesellschaftsanteil (bei Senkung der Anteile der übrigen von einem Drittel auf je drei Zehntel) mit einem Zehntel festgesetzt wurde. An die Stelle des am 19. März 1921 verstorbenen Gesellschafters Eduard Haubner traten am 27. September dessen Witwe Maria und deren Tochter Charlotte, die nunmehr je einen 3/20-Anteil besaßen.

Im Jahr 1936 ergaben sich folgende Eigentumsverhältnisse: Maria Haubner und Hermine Haubner besaßen je drei Zehntel, Mag. pharm. Dr. Alfred Siebenrock vier Zehntel des Betriebes. Als die damals 32-jährige Angestellte Mag. Marga(rethe) Matzel am 1. Juli 1937 als Gesellschafterin in die OHG eintrat, wurde sie gemeinsam mit Dr. Alfred Siebenrock, den sie am 17. Juli 1938 heiratete, zeichnungsberechtigt. Durch Schenkungsvertrag vom 7. Oktober 1939 kam die Haushälfte der Eleonore Siebenrock an Robert, und von diesem am 3. September 1945 an Hilde Siebenrock sowie am 30. Juni 1945 der Hausanteil der Hermine an Dr. Leo Siebenrock. Nach dem Ableben der Hermine Siebenrock kam es am 30. Juni 1945 zu einer neuen Aufteilung der Gesellschaftsanteile: Marie Haubner besaß nun (einschließlich der für Charlotte Haubner verwalteten Anteile) drei Zehntel und Dr. Alfred Siebenrock sieben Zehntel des Gesellschaftsvermögens. Als Marie Haubner einige Jahre später verstarb, fiel ihr Anteil von drei Zehntel an die Tochter Charlotte. Mit den Angehörigen der Familie Haubner-Siebenrock gehört auch die Engel-Apotheke zu jenen Betrieben der Innenstadt, die über ein Jahrhundert von 1854 bis 1969 im Besitz einer Familie waren.

Im Jahr 2000 war als Konzessionsinhaberin der Apotheke Mag. pharm. Monika Braun eingetragen.

Quelle: https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Zum_wei%C3%9Fen_Engel_(Apotheke)

Wiedner Hauptstraße 88, 5. Bezirk: Wien Margareten

Florahof

Secessionistisches Miethaus, erbaut 1901/1902 von Oskar Laske (Schüler Otto Wagners und Karl Königs, ab 1907 ausschließlich Maler und Graphiker), Viktor Fiala und Baumeister J. Barak als Ausführende nach einem Entwurf von Wunibald Deininger. Der bemerkenswerte Bau zeigt (als eines der wenigen Miethäuser Wiens) in seiner spröden Gliederung die Tendenzen des Wiener Secessionismus um 1900 im Anschluss an Otto Wagner, wobei der originelle (teils färbige) Dekor, im Gegensatz zu den floral-kurvilinearen Tendenzen des westlichen Jugendstils, stets zur Betonung der Tektonik der Gliederung dient (vegleich Villa Vojcsikvon Otto Schönthal).

Quelle:

https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Florahof