Hüttelbergstraße 26, 14. Bezirk Wien Penzing

DIE OTTO WAGNER VILLA

Otto Wagner, der berühmte Jugendstil-Architekt baute im Jahre 1888 für sich und seine Familie in Hütteldorf, einem damaligen Wiener Vorort, ein prunkvolles Sommer-Palais. Sein Lieblingsarchitekt Palladio stand Pate für die ganz im Stil des Historismus gehaltene Residenz. Zeitgleich mit der Erbauung wurde das Projekt von Wagner auf einigen europäischen Archtitektur-Wettbewerben präsentiert und erregte internationales Aufsehen.

”Eigenartigen Reiz entwickelt die eigene Villa des Künstlers in Hütteldorf bei Wien. Von der gewohnten Erscheinung ähnlicher Bauten völlig abweichend, zeigt der auf einer Berglehne errichtete, durch eine stattliche Freitreppe zugängliche Bau bei der Vordersicht nur eine offene Halle zwischen zwei Flügelbauten.” hieß es über die in Berlin ausgestellten Entwürfe zur Villa.

Bereits 1895 wurde der rechte Seitenflügel, die Orangerie, mit transparenten Glasfenstern winterfest gemacht und diente nun Otto Wagner und seinen Gästen als Billiard-Salon.
1900 wurde der linke Seitenflügel umgebaut und von Otto Wagner zum schönsten heute erhaltenen Jugendstil-Saal Wiens ausgestaltet. Alle Details sind erhalten, vor allem die prachtvollen großflächigen Tiffany-Glasfenster von Adolf Böhm. Nach diesem –heute in Vergessenheit geratenen Künstlerfreund von Otto Wagner- ist der “Adolf Böhm-Saal” benannt.

Bis 1911 diente die Villa Otto Wagner als Repräsentationshaus. Im Rahmen legendärer Empfänge und Sommerfeste traf sich hier die elegante Wiener Gesellschaft. Künstler wie Gustav Klimt, der Wagner-Schüler Josef Hoffmann, Adolf Loos, Gustav Mahler, Alma Mahler-Werfel und viele andere gingen in der eleganten Otto Wagner-Villa aus und ein. Nach Abschluss der Planung seiner grossen ,öffentlichen Projekte, wie der Wiener Stadtbahn, der Postsparkasse und der Kirche am Steinhof, errichtete Otto Wagner auf dem angrenzenden Grundstück der Villa eine moderne kleinere Villa im funktuellen Jugendstil, die er nur drei Jahre bewohnen sollte. Die große Villa wurde bereits 1912 an Ben Tiber, den Direktor des Wiener Apollo-Theaters und des Ronacher- Revue-Theaters verkauft. Er war ein reicher Investor und veranstaltete in der Otto Wagner–Villa weiterhin legendäre Feste.

Auf der Flucht vor den Nazionalsozialisten emigrierte Ben Arnold Tiber bereits Mitte der 30-er Jahre ins Ausland. Die Villa wurde enteignet. Während des zweiten Weltkrieges wurde die Otto Wagner Villa zu einer Büro-Zentrale für Baldur von Schierach umfunktioniert. Die Freizeit-Aktivitäten der Hitlerjugend wurden vor hier aus organisiert. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Villa zum Spekulationsobjekt und sollte schließlich demoliert werden. Seinen märchenhaften Zauber verlor “diese merkwürdige Villa im Halterthal” aber nicht, denn noch 1962 schrieb der Österreichische Dichter Heimito von Doderer in seinem letzten Roman “Grenzwald” : “Hier war nun rechts über der Straße am Hange ein Haus zu sehen, ja eigentlich ein Palast ,wie es einen solchen weitum nicht gab. Auf hohen mächtigen Säulen schwebte und schattete das flache Dach und links und rechts warf der schwere, über seiner Terasse liegende Mittelbau fast zarte schmächtige Seitenflügel von sich, deren Wände auf den ersten Blick nur aus buntem Glase bestanden, von schmalen Pfeilern geteilt.”

Quelle: http://www.ernstfuchsmuseum.at/?id=4

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